Zitate zur Person
Paul Krüger
17.06.1903 – 16.12.1990
17.06.1903 – 16.12.1990
Zitate aus Paul Krügers Bericht über Verfolgung und Widerstand in Wiesbaden
Bald fand ich ein relativ sicheres Quartier bei einer sehr zuverlässigen Sympathisantin in einem Hinterhaus des Stadtteils Süd und begann sofort mit der Sicherstellung der weiteren Herausgabe unserer Betriebszeitungen (…). Über Tag, wenn ich mein Quartier aus Sicherheitsgründen nicht verlassen konnte, bereitete ich die Konzepte vor, um diese am späten Abend einer von der illegalen Parteileitung unseres Stadtgebietes eingesetzten Genossin direkt in den Stenoblock zu diktieren. Auch gegenüber dieser Genossin musste mein illegaler Aufenthalt streng geheim bleiben (…). So trafen wir uns am Abend auf einer bestimmten Bank in der Adolfsallee in unmittelbarer Nähe einer Straßenlaterne. Eng umschlungen mimten wir ein Liebespärchen. Aber anstatt die üblichen Liebesbeteuerungen auszutauschen, diktierte ich meiner Mitarbeiterin die Zeitungsberichte im Flüsterton ins Ohr. Nach getaner Arbeit trennten sich unsere Wege wieder, und die Genossin sorgte dafür, dass meine Berichte (…) auf direktem Weg an die richtige Stelle kamen. Diese Adresse war dann wiederum mir nicht bekannt. Auf diesem Weg erhielt ich zugleich meine politischen Informationen über die weiteren Entwicklungsvorgänge der faschistischen Machtergreifung. (…)
Während der Wochen meiner erneuten Inhaftierung im Wiesbadener Polizeigefängnis wurden viele unserer Genossen von der SA abgeholt, in ihren Prügelkeller in der Lessingstraße geschleppt und dort jämmerlich zugerichtet. Einige von ihnen traf ich danach dann in unserer Gemeinschaftszelle wieder: Sie hatten abgeschorene Haare, rot- und blaugeschwollene Gesichter und andere körperliche Verletzungen. (…)
Die Zeit in Esterwegen war für uns geprägt durch Strafexerzieren, Essensentzug, Bunkerhaft, Prügelstrafe und auch Foltern. Einige unserer Kameraden wurden in sadistischer Manier „auf der Flucht erschossen“. (…)
Mit Hilfe meiner Frau hatte ich mich schnell auf die veränderten Verhältnisse eingestellt. Als Erstes erfuhr ich, dass die illegale Parteileitung angewiesen hatte, vorläufig keine Kontakte mit den Genossen aufzunehmen, die aus dem KZ entlassen worden waren. Man hatte festgestellt, dass die mittlerweile gut organisierte Gestapo mit einem ausgedehnten Spitzelnetz alle entlassenen „Schutzhäftlinge“ (…) ständig beobachtete, um so an den illegalen Parteiapparat heranzukommen. (…) Dennoch erreichten mich auf anderen sicheren Wegen alle aktuellen Informationen über den illegalen Kampf der Partei und die ständig wechselnde Methodik ihrer Arbeit. (…)
Mitte 1934 fand ich dann wieder feste Kontakte zu einer kleinen Gruppe von Genossen. (…) Wir waren uns einig, dass bei allen Aktionen die größtmögliche Sicherheit der Genossen gewährleistet sein muss. Wir bildeten ein Dreiergruppensystem, wobei die einzelnen Gruppen nur durch jeweils einen bestimmten Kontaktmann Verbindung zueinander hatten. (…)
Neben dieser (antifaschistischen) Zersetzungstätigkeit stellten wir auch Flugblätter her, die auf die Kriegspolitik Hitlers und ihre erwartungsgemäßen Folgen hinwiesen. Die Verteilung dieser Flugblätter geschah auf immer wieder wechselnde Weise (…). Informationen und Anweisungen für die Genossen wurden nur mündlich erteilt. (…)